Der Hexenhammer

Für die Geschichtswissenschaft ist es ein bedeutendes Werk für das Verständnis abendländischer Befindlichkeit zum Entstehungszeitpunkt und doch haftet ihm der zweifelhafte Ruhm an, den Tod tausender Menschen verursacht zu haben. Der sogenannte „Hexenhammer“ (lat. Malleus Maleficarum) von 1487 ist im Wesentlichen eine Abhandlung über Hexerei sowie Hexenprozesse, die zugleich einflussreiche Grundlage und Rechtfertigung für die Hexenverfolgung darstellt.

Der Hexenhammer trägt den offiziellen Namen Malleus Maleficarum und wurde vom Dominikanermönch Heinrich Kramer innerhalb eines Jahres verfasst

Der Hexenhammer (Malleus Maleficarum) wurde vom Dominikanermönch Heinrich Kramer innerhalb eines Jahres verfasst

Verfasser des Hexenhammers war der Dominikanermönch Heinrich Kramer, der bereits Jahre zuvor die päpstliche Befugnis zur Inquisition erhalten hatte. Dies bedeutete, dass er im Namen der Kirche Andersgläubigen rechtmäßig den Prozess machen durfte. Allerdings stießen insbesondere Kramers Bemühungen bei der Hexenverfolgung zunächst auf Widerstand, obwohl die Kirche diese auf Kramers Drängen bereits legalisiert hatte. So verfasste er schließlich den Hexenhammer, um sein Anliegen, gerade auch Hexen unerbittlich der Häresie zu überführen, mit einem vermeintlich gelehrten Fundament zu versehen.

Formal gilt der Hexenhammer als literarischer Schnellschuss. Innerhalb nicht einmal eines ganzen Jahres schrieb Heinrich Kramer rund 700 Seiten nieder, denen es vielfach an Zusammenhang und inhaltlicher Richtigkeit fehlt. Dennoch lässt sich das Werk in drei Teile strukturieren.

Im ersten Teil des Hexenhammers wird der Tatbestand des Hexenverbrechens diskutiert. Hauptsächlich dient dies dem Zweck, Hexen und ihnen zugeschriebene Delikte als realen Sachverhalt zu legitimieren. Der zweite Teil illustriert ausführlich, welche Schandtaten Hexen verüben können. Besonders perfide ist hierbei die extrem frauenfeindliche Art, Hexenverbrechen pauschal dem weiblichen Geschlecht anzudichten. Der dritte Teil befasst sich schließlich mit der Praxis des Hexenprozesses sowie dessen Regeln bei der Durchführung und ist somit als Leitfaden zu verstehen.

Auch wenn dem Hexenhammer keine offizielle Anerkennung seitens kirchlicher und weltlicher Obrigkeit zuteil wurde, erreichte das Ausmaß der Hexenverfolgung erst nach Erscheinen seinen traurigen Höhepunkt. Immerhin kam das Buch zu einer Zeit heraus, in der Mitteleuropa von diversen Krisen gebeutelt wurde. Die sogenannte Kleine Eiszeit sorgte für einen gravierenden Klimaumschwung, die Folge waren Missernten, Nahrungsmittelknappheit und Hungersnot. Auch die grassierende Pestepidemie trug dazu bei, den Bedarf nach einem Sündenbock zu schüren.

Häufig wurden vermeintliche Hexen für das herrschende Elend zur Verantwortung gezogen und mussten Folter sowie anschließend auf dem Scheiterhaufen die vorgesehene Hexenverbrennung erleiden. Somit fielen die Aussagen des Hexenhammers auf gesellschaftlich fruchtbaren Boden und prägten ganz maßgeblich die Vorstellung und den Umgang mit Hexerei nicht nur in Mitteleuropa. Forscher schätzen, dass bis zu den letzten dokumentierten Hinrichtungen von Hexen zwischen 40.000 und 60.000 Menschen der Hexenverfolgung zum Opfer gefallen sind. Bis zu 80% der Opfer waren Frauen.

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